Heizungsanlage in einem Hotelkeller mit digitaler Steuerung
Aus der Praxis

Energiepreise, Lebensmittelkosten, CO2-Abgabe — wie Hotelbetriebe 2026 ihre Margen retten

Ölpreis plus 60 Prozent. Heizöl plus 40 Prozent. CO2-Abgabe im neuen Korridor. Die dreifache Kostenschere ist da — und sie trifft besonders die, die heizen müssen. Was Hotelbetriebe jetzt tun können, statt auf Entspannung zu hoffen.

Sebastian Hübsch · · 9 Min. Lesezeit

Zusammenfassung

Die Hotellerie steht im Frühjahr 2026 vor einer dreifachen Kostenschere: Energiepreise, getrieben durch den Iran-Konflikt und die Hormus-Blockade, Lebensmittelpreise auf hohem Niveau und die CO2-Abgabe im neuen Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne. Gleichzeitig sinkt der reale Umsatz. Dieser Artikel analysiert die Preisentwicklung, zeigt, was die DEHOGA-Zahlen bedeuten, und liefert konkrete Einsparmaßnahmen — von sofort umsetzbaren Organisationsänderungen bis zu Investitionen in intelligente Gebäudesteuerung, die wir selbst in unseren Hotels erproben.

Als wir im Februar die Heizkostenabrechnung für unser Hotel im Schwarzwald öffneten, war die Zahl nicht überraschend — sie war vorhersehbar schlimm. Pool, Sauna, Restaurant, 24 Zimmer. Ein Haus, das wärmt, was Gäste erwarten. Nur dass Wärme gerade so teuer ist wie seit Jahren nicht.

Die Lage: Drei Kostentreiber gleichzeitig

Was gerade passiert, ist kein einzelner Preisschock. Es ist das Zusammentreffen von drei unabhängigen Kostentreibern, die sich gegenseitig verstärken. Und keiner davon wird in den nächsten Monaten verschwinden.

+60%
Ölpreis

Brent Crude: 107–115 USD/Barrel (vor Konflikt: ~70 USD). Hormus-Blockade seit 2. März 2026. Heizöl: 141 EUR/100 Liter.

+2,6%
Lebensmittel

Jahresvergleich Januar 2026. Fleisch +4,5%, Süßwaren +8,1%. Fette/Öle und Kartoffeln rückläufig — aber der Warenkorb steigt insgesamt.

55–65 €
CO2-Preis/Tonne

Neuer Preiskorridor 2026 (vorher fester Preis). Macht ~20 Ct/Liter Heizöl und ~0,22 Ct/kWh Erdgas aus. Trifft Bestandsgebäude besonders.

Hormus-Blockade: Warum der Ölpreis nicht schnell zurückkommt

Seit dem 2. März 2026 ist die Straße von Hormus für kommerziellen Schiffsverkehr weitgehend gesperrt. Durch diese Meerenge passieren täglich rund 20 Millionen Barrel Öl — ein Fünftel der globalen Versorgung. Die Blockade reduziert nicht nur das Ölangebot, sondern auch das globale LNG-Angebot massiv, was die europäischen Gaspreise nach oben treibt.

Das Institut der deutschen Wirtschaft rechnet vor: Bei einem Ölpreis von 150 USD pro Barrel — ein Szenario, das bei Eskalation realistisch wird — würde das deutsche BIP 2026 um 0,5 Prozent und 2027 um 1,3 Prozent geringer ausfallen. Die Gesamtkosten für Deutschland könnten 80 Milliarden Euro erreichen. Erste Deeskalationssignale haben den Preis leicht stabilisiert, aber die Volatilität bleibt hoch.

Für Hotels heißt das konkret: Die Heizkosten werden im Frühjahr 2026 auf dem Niveau bleiben und im Herbst, wenn die Heizsaison beginnt, womöglich weiter steigen. Wer jetzt noch keinen Festpreisvertrag hat, fährt auf Sicht.

Was die Branche sagt: DEHOGA-Zahlen Q1/2026

Die DEHOGA-Konjunkturdaten für Anfang 2026 zeichnen ein Bild, das viele Betreiber bestätigen werden: Die Lage ist angespannt, die Perspektive verhalten. Nur 19,3 Prozent der Betriebe bewerten ihre Geschäftslage als „gut". 43 Prozent sagen „befriedigend", 26 Prozent „schlecht". Fast 60 Prozent äußern sich verhalten zum weiteren Jahresverlauf.

Größte Kostenbelastungen laut DEHOGA-Umfrage

Personalkosten 75,2%
Energiekosten 65,7%
Lebensmittelkosten 64,6%

Quelle: DEHOGA-Umfrage, Q1/2026. Anteil der Betriebe, die diesen Faktor als dringendes Problem nennen.

Die Zahlen sind klar: Zwei Drittel der Betriebe kämpfen mit Energie- und Lebensmittelkosten. Gleichzeitig ist der reale Umsatz im Januar 2026 um 4,4 Prozent gegenüber dem Vorjahr gesunken. Nominale Steigerungen von 2,6 Prozent werden von der Inflation aufgefressen. Die Branche wächst auf dem Papier — und schrumpft in der Kasse.

Ehrliche Einordnung

„Bezahlbarkeit der Energie wird zur Überlebensversicherung" — so der Titel einer aktuellen DEHOGA-Umfrage. Das klingt dramatisch. Aber für ein Hotel im Schwarzwald mit Pool und Sauna, das sechs Monate im Jahr heizt, ist es nicht übertrieben. Energiekosten machen dort bis zu 10 Prozent des Jahresumsatzes aus — Tendenz steigend.

Energiekosten im Detail: Was Hotels 2026 wirklich zahlen

Die Durchschnittspreise verschleiern die Realität, weil sie Bestandsverträge und Neukundenpreise mischen. Hier die aktuellen Eckdaten:

Energieträger Neukunden Bestandskunden Tendenz
Strom 27,8 Ct/kWh 31,6 Ct/kWh steigend
Gas ~8 Ct/kWh 9,9 Ct/kWh steigend
Heizöl (100 L) 141,13 EUR Durchschnitt +40% seit 2025
CO2-Abgabe 55–65 EUR/Tonne (Korridor) marktabhängig

Die regionale Spreizung ist enorm: In Baden-Württemberg liegt Heizöl bei 128 Euro pro 100 Liter, in Berlin bei fast 149 Euro. Für Hotels mit mehreren Standorten bedeutet das: Jedes Haus hat eine andere Kostenstruktur, und eine pauschale Strategie greift zu kurz.

Was oft übersehen wird: Der Bundeszuschuss von 6,5 Milliarden Euro aus dem Klima- und Transformationsfonds hat die Netzentgelte Anfang 2026 gesenkt. Ohne diesen Zuschuss lägen die Strompreise nochmals deutlich höher. Aber diese Subvention ist politisch umstritten und keineswegs gesichert für 2027.

Lebensmittelkosten: Kein Preisschock, aber ein steter Druck

Anders als bei der Energie gibt es bei Lebensmitteln keine einzelne Krise, sondern einen dauerhaften Kostendruck. Die Preise sind im Januar 2026 um 2,6 Prozent im Jahresvergleich gestiegen, im Februar hat sich das Wachstum auf 1,1 Prozent verlangsamt. Das klingt moderat — aber die Basis ist bereits das hohe Niveau der Vorjahre.

Rückläufig

  • Speisefette/-öle -19,7%
  • Kartoffeln -18,1%
  • Milchprodukte -4,9%

Steigend

  • Süßwaren +8,1%
  • Fleischprodukte +4,5%
  • Gesamtindex +2,6%

Für Hotels mit F&B-Angebot ist die Faustregel: Wareneinsatz plus Personalkosten sollten 65 Prozent des Nettoumsatzes nicht überschreiten. Bei steigenden Einkaufspreisen und gleichbleibenden Zimmerpreisen verschiebt sich dieses Verhältnis — und zwar nicht zugunsten der Marge.

Was hinzukommt: Die CO2-Steuer-Erhöhung wirkt sich indirekt auch auf Lebensmittelpreise aus, weil Transport und Produktion teurer werden. Hotels, die regional einkaufen, haben hier einen Vorteil — nicht nur beim Image, sondern tatsächlich bei den Transportkosten.

Was Hotelbetriebe jetzt tun können: Drei Hebel

Wir teilen Einsparmaßnahmen in drei Kategorien: Sofort umsetzbar (kein Budget nötig), mittelfristig (Budget unter 10.000 Euro) und strategisch (Investition). Die meisten Hotels beginnen sinnvollerweise bei der ersten Kategorie — und sind überrascht, wie viel das bereits bringt.

Schematische Darstellung der drei Hebel zur Energiekostenreduktion in Hotels

Einsparpotenziale nach Maßnahmen-Kategorie (Richtwerte, abhängig von Gebäudealter und Anlagentechnik)

Hebel 1: Organisation — 10 Prozent Einsparung ohne einen Euro Investition

Der unterschätzte Hebel. Die DEHOGA-Energiekampagne zeigt: Allein durch organisatorische Änderungen im Tagesbetrieb lassen sich bis zu 10 Prozent der Energiekosten einsparen. Das klingt wenig, aber bei einem Hotel mit 300.000 Euro Jahres-Energiekosten sind das 30.000 Euro — ohne eine einzige Anschaffung.

Sofort-Maßnahmen

  • 01 Heiztemperatur nicht belegter Zimmer absenken — 2 Grad weniger spart 6 Prozent Heizenergie. Housekeeping-Checkliste um Thermostat-Check erweitern.
  • 02 Beleuchtung in Fluren und Abstellräumen — Bewegungsmelder nachrüsten (unter 50 Euro pro Stück). Allgemeinbereiche sind oft 24/7 beleuchtet, obwohl sie nachts kaum genutzt werden.
  • 03 Personal schulen — Einfache Verhaltensänderungen: Fenster nicht auf Kipp bei laufender Heizung, Spülmaschine erst bei voller Ladung starten, Standby-Geräte ausschalten. Die DEHOGA bietet Leitfäden und Checklisten.
  • 04 Konferenzbereiche als Energiefresser identifizieren — Die Raumlufttechnik in Tagungsräumen läuft häufig auf Volllast, auch wenn der Raum nur halb belegt ist. Betriebszeiten an die tatsächliche Nutzung anpassen.

Hebel 2: Technik — weitere 10 Prozent mit überschaubarem Budget

Minimale technische Maßnahmen bringen laut Branchenexperten weitere 10 Prozent Einsparung. LED-Umrüstung, digitale Thermostate und einfache Gebäudeautomation fallen in diese Kategorie.

In unserem Hotel im Schwarzwald — 24 Zimmer, Pool, Sauna, Restaurant — testen wir gerade 51 LoRaWAN-basierte Thermostate von MClimate (Modell Vicki). Die Idee: Jeder Heizkörper meldet seine Temperatur per Funk, eine zentrale Steuerung senkt die Heizung automatisch, wenn das Zimmer nicht belegt ist, und fährt sie rechtzeitig vor dem Check-in wieder hoch. Die Investition pro Thermostat liegt im niedrigen dreistelligen Bereich, die Installation ist ohne Handwerker möglich.

Ehrliche Einschätzung

Das LoRaWAN-Projekt ist ein Pilotversuch. Wir können noch keine validen Einsparungszahlen nennen — die erste vollständige Heizsaison steht noch aus. Was wir sagen können: Die Technik funktioniert, die Installation war unkompliziert, und die Daten sind da. Ob sich die Investition in der ersten Saison amortisiert, werden wir im Frühjahr 2027 wissen.

Unabhängig von LoRaWAN gibt es bewährte Maßnahmen in dieser Kategorie: LED-Umrüstung (Amortisation oft unter 2 Jahren), programmierbare Thermostate für öffentliche Bereiche und Zeitschaltuhren für Warmwasserzirkulation außerhalb der Stoßzeiten.

Hebel 3: Investition — die letzten 15 Prozent und darüber hinaus

Hier geht es um Photovoltaik, Wärmepumpen, umfassende Gebäudeautomation und energetische Sanierung. Die Amortisationszeiten liegen bei aktuellen Energiepreisen unter 8 Jahren für PV-Anlagen — deutlich kürzer als noch vor drei Jahren. Förderprogramme von Bund, Ländern und Energieversorgern können die Anfangsinvestition reduzieren.

Ein Beispiel, das uns selbst betrifft: Unser neues Hotel am Regattapark in Bernau — 38 Zimmer, Neubau, Eröffnung 2026 — wird von Anfang an mit moderner Gebäudeautomation und energieeffizienter Technik geplant. Die Mehrkosten gegenüber einer konventionellen Ausstattung liegen im einstelligen Prozentbereich der Bausumme, aber die laufenden Energiekosten werden deutlich unter denen unserer Bestandsgebäude liegen.

Bestandsgebäude haben es schwerer. Dort ist die energetische Sanierung teurer, die Einschränkungen während der Bauphase belasten den Betrieb, und die Amortisationszeiten sind länger. Aber auch hier gilt: Bei einem Energiekostenanteil von 10 Prozent am Umsatz und steigenden Preisen wird Nichtstun zur teuersten Option.

Sonderfall: Warum personalfreie Hotels ein anderes Energieprofil haben

In Eberswalde betreiben wir ein Hotel mit 32 Zimmern, das vollständig ohne permanente Rezeptionsbesetzung funktioniert. Check-in per Terminal und Türcode, Kommunikation per WhatsApp, Housekeeping nach Bedarf. Das verändert das Energieprofil grundlegend: Kein 24/7-beleuchteter Empfangsbereich, keine dauerhaft beheizte Lobby, kein Rezeptionscomputer im Dauerbetrieb.

Das heißt nicht, dass personalfreie Hotels automatisch weniger Energie verbrauchen — die Zimmer heizen genauso, und Warmwasser braucht jeder Gast. Aber der Anteil der Allgemeinflächen am Gesamtverbrauch sinkt erheblich. Für Hotels, die über Automatisierung nachdenken, ist das ein Nebeneffekt, den kaum jemand auf dem Schirm hat: weniger Personal bedeutet auch weniger Energieverbrauch in den Betriebsflächen.

Prognose: Was im Herbst 2026 auf Hotels zukommt

Drei Szenarien, die wir für realistisch halten:

Szenario 1: Deeskalation (30% Wahrscheinlichkeit)

Hormus öffnet wieder, Brent fällt auf 80–90 USD. Heizölpreis sinkt auf 100–110 EUR/100 L. Energiekosten normalisieren sich zum Jahresende. CO2-Preis bleibt als strukturelle Belastung.

Szenario 2: Status quo (50% Wahrscheinlichkeit)

Hormus bleibt teilblockiert, Brent pendelt um 100–120 USD. Heizöl bei 130–150 EUR/100 L. Die Heizsaison 2026/27 wird teuer, aber planbar. Hotels, die jetzt handeln, sparen 10–20% gegenüber Nichtstun.

Szenario 3: Eskalation (20% Wahrscheinlichkeit)

Brent über 150 USD, IW-Szenario tritt ein. Gas wird knapp, Strom springt über 35 Ct/kWh. Hotels mit fossiler Heizung stehen vor existenziellen Kostenbelastungen. Förderungen werden politisch beschleunigt.

In allen drei Szenarien gilt: Die CO2-Abgabe bleibt, die Lebensmittelpreise bleiben auf hohem Niveau, und der Personalmarkt entspannt sich nicht. Wer nur auf sinkende Energiepreise wartet, wettet gegen den Trend.

Drei Schritte für den Anfang

1

Energiekosten-Audit durchführen

Abrechnungen der letzten 12 Monate zusammentragen, nach Kostenart aufschlüsseln (Strom, Gas, Heizöl, Wasser), Anteil am Umsatz berechnen. Wenn der Anteil über 8 Prozent liegt, besteht Handlungsbedarf.

2

Quick Wins umsetzen (Woche 1–2)

Thermostate in leeren Zimmern runterdrehen, Beleuchtungszeiten in Allgemeinbereichen prüfen, Raumlufttechnik in Tagungsräumen an tatsächliche Nutzung anpassen. Personalschulung zum Energiesparen — die DEHOGA bietet kostenlose Materialien.

3

Mittelfristige Maßnahmen planen (Monat 1–3)

Angebote für LED-Umrüstung, digitale Thermostate und PV-Anlagen einholen. Fördermöglichkeiten prüfen — Bund, Länder und Energieversorger bieten Zuschüsse. Festpreisverträge für Strom und Gas vergleichen, bevor die Heizsaison beginnt.

Fazit: Die dreifache Kostenschere aus Energie, Lebensmitteln und CO2 wird die Hotellerie 2026 beschäftigen — unabhängig davon, wie sich der Iran-Konflikt entwickelt. Die gute Nachricht: 10 bis 35 Prozent Einsparpotenzial sind realistisch, und die ersten 10 Prozent kosten nichts außer Aufmerksamkeit. Wer darüber hinausgeht und in intelligente Technik investiert, hat nicht nur niedrigere Kosten — sondern auch ein Argument gegenüber immer nachhaltigkeitsbewussteren Gästen.

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